Medienberichte


Tagesspiegel 11.09.2009



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Modelleisenbahner 04/2008

Tagesspiegel 03.01.2004

Lok-Ruf aus dem Keller

VON STEFAN JACOBS



Unterm Flughafen Tempelhof entsteht das historische Modellbahn-Berlin

 Mit jeder Treppenstufe abwärts dreht sich die Welt langsamer, und im Keller steht sie still. In dem fensterlosen Raum mit Betonrippendecke ist es weder warm noch kalt und ziemlich still dafür, dass etwa zehn Männer redend beisammensitzen. Sie tauschen neueste Erkenntnisse über .kurzgekuppelte Pärchen mit 56er" aus oder erörtern die Vor- und Nachteile von .RP-25-Radsätzen". Der Jüngste im Club ist 19, der älteste fast 80. Jeden Dienstagabend steigen sie hinab, um am Modell des historischen Görlitzer Bahnhofs zu bauen oder ihre Gedanken darüber auszutauschen. Seit 22 Jahren. Das 1868 eröffnete Original war nach drei Jahren fertig.

1982 hat ein US-Sergeant mit ein paar deutschen Zivilbeschäftigten des Flughafens Tempelhof den Eisenbahnclub gegründet. Die Amerikaner stellten den 300-Qyadratmeter-Kellerraum irgendwo im Labyrinth der Flughafengebäude zur Verfügung, die Clubmitglieder suchten sich ein Projekt. Erst wollten sie den Anhalter Bahnhof mitsamt Umgebung im Maßstab 1:87 bauen, aber der erwies sich als ungeeignet, weil zu breit:

Wollte man einen entgleisten Waggon in der Mitte wieder aufrichten, kippte man mit dem Bauch einen anderen Zug um. Also nahmen die Bastler sich den Görlitzer Bahnhof vor, von dem bis zum Krieg Züge zwischen Kreuzberg. Kattowitz und Cottbus fuhren.

Mario Kiewer stieß drei Monate nach Vereinsgründung als 17-Jähriger dazu. .Wenn wir so weitermachen wie bisher, brauchen wir noch 20 Jahre", knurrt er über das Bahnhofsdach hinweg. Dann könnte er als Rentner im Sperrholz-Stellwerk sitzen und die Züge der 30er Jahre an sich vorbeifahren lassen: aus der sandsteingelben Bahnhofshalle an Lokschuppen und Heizkraftwerk vorbei Richtung Treptow, zwischen Mietskasernen und Kirche hindurch, entlang den Kleingärten zum Bahnhof Baumschulenweg, bevor die Züge über eine Art Parkhauseinfahrt in einen .Schattenbahnhof" im Untergeschoss der Modellbahnplatte verschwinden. Alle Gleise sind fast 800 Meter lang; unter der Platte liegen 18 Kilometer Kabel.



HÄUSLEBAUER.


Die Hobbywelt von Mario Klewer und seinen Vereinsfreunden ist 87- mal kleiner als das Original.

Heute verlässt kein Zug den Görlitzer Bahnhof. Wie so oft. .Dabei haben wir auf einer Mitgliederversammlung beschlossen, mindestens einmal im Monat was fahren zu lassen", erzählt Klewer und schaut schulterzuckend zu seinen Clubkameraden hinüber. Sie scheinen ihm so unmotiviert. Cut, in letzter Zeit gab es große Verkehrseinschränkungen wegen Gleisbauarbeiten. Aber vielleicht haben sie den Fahrplan auch unbewusst ausgedünnt, weil es ein paar Mal Ärger um ramponierte Loks gab. Die Züge gehören nämlich den einzelnen Vereinsmitglieden. Sie stehen zwar zur allgemeinen Verfügung, aber wenn dann was kaputt geht und keiner es gewesen sein will, rangiert mancher Besitzer seinen Zug eben aus.


Klewer kommt oft auch sonntags, um Böschungen zu bepflanzen, Drehgestelle mit rostbrauner Farbe altem zu lassen oder Hausfassaden zu streichen. Seine Frau sei .manchmal schon ein bisschen stinkig" deswegen, aber einer muss das Projekt ja voranbringen. Außerdem war die Eisenbahn zuerst da.

Günter Wagner, der Schöpfer der Kleingärten, war auch so ein Tüchtiger. Woche für Woche hat er Pfefferkörner mit dem Pinsel in Kohlköpfe verwandelt, Schaumstoffsträucher gepflanzt, Tomaten an Zahnstochern hochranken lassen und winzige Hollywoodschaukeln errichtet. Dann ist er gestorben; weite Flächen zwischen Baumschulenweg und dem Görlitzer Ufer liegen noch immer brach. Und die anderen Clubmitglieder löten lieber wochenlang Ornamente für die Bahnhofshalle, beschriften Waggons oder wienern ihre Loks mit Wattestäbchen, aber ein leidenschaftlicher Gärtner hat sich noch nicht wieder gefunden.

Er sei .kindlich naiv und fröhlich erregt in dieser heilen Welt", verkündet einer von Mario Klewers Clubkameraden unvermittelt. Und Klewer, als ahne er eine dahin gehende Frage, sagt: .Irgendwie hat doch jeder Mensch eine kleine Macke." Soll heißen: Wir sind keine einsamen Pufferküsser, sondern geduldige Bastler, die in geordneten Verhältnissen leben und lieber dem Hobby nachgehen, statt in der Kneipe zu versacken. Beim Sommerfest im vergangenen Jahr haben sie sich sogar mal bei Tageslicht und mit ihren Frauen getroffen - bei einem Vereinskameraden im Garten. Es war ein schönes Fest. Sie mussten nur aufpassen, dass sie nicht über die Gleise der Gartenbahn stolperten.




KLEINE ZÜGE, GROSSER AUFWAND. Die Modellbahner haben ihren Mini-Loks ein Depot nach alten Vorbildern gebaut. Fotos: Thilo Rückeis



13.03.2002

Der Eisenbahn Kurier berichtet auf seiner Homepage unter:

www.eisenbahn-kurier.de/modellbahn/index.html


Lieber Modellbahnfreund,

in dieser Rubrik wollen wir Ihnen in Zukunft in unregelmäßigen Abständen einige ausgesuchte Modellbahnanlagen vorstellen, die später dann auch ausführlich im Modellbahn-Kurier behandelt werden könnten. Den Anfang macht die Modellbahnanlage des Eisenbahnclubs Tempelhof (Berlin). Der Verein hat sich zum Ziel gesetzt, den Görlitzer Bahnhof exakt in 1:87 (H0) nachzubauen.

Dies gelingt bisher weitgehend perfekt - dank der Originalbaupläne von 1887, alten Fotos, dem unermüdlichen Einsatz der Vereinsmitglieder und deren Liebe zum Detail. Doch trotzdem geht es nicht ohne Kompromisse, die von den 19 Vereinsmitgliedern jedoch bestens gemeistert werden. Und so wird nicht alles auf der über 100 Quadratmeter großen Anlage genau nach Plänen gebaut - aber durchaus berlintypisch.


Sonntagmorgen in der Bahnhofshalle. Im Hintergrund ist der Nord-Express aus Paris eingetroffen, während am Bahnsteig vorn eine leere D-Zug-Garnitur auf den nächsten Einsatz wartet.

Eine Augenweide ist die filigrane Dachkonstruktion der Bahnhofshalle. Sie hat den Club zwei Jahre Arbeit gekostet. Doch die Eisenbahnfreunde aus Berlin geben sich mit dem Bauzustand der Halle noch lange nicht zufrieden, schließlich soll die Halle noch etwas mehr belebt und noch realistischer werden - Arbeit für weitere Jahre ...


Als Günther Meyer das Vorbild 1957 fotografierte, zeigte sich dieses in einem für damalige Verhältnisse relativ guten Zustand, da der Bahnhof weitaus weniger zerstört war, als die meisten anderen Berliner Bahnhöfe. Im Hintergrund sind sogar noch die markante Signalbrücke und das Stellwerk zu erkennen. Die Zugzielanzeiger zeigen noch "Cottbus - Görlitz - Hirschberg - Breslau" an - wie zehn Jahre zuvor, als der letzte Zug dorthin fuhr ...


Eine Menge Arbeit haben sich die Gebäudespezialisten des Eisenbahnclubs Tempelhof mit der Front des Bahnhofsgebäudes gemacht - und das hat sich gelohnt, wie man sieht. Jetzt muss die Fassade noch gealtert werden, damit die Steine auch nach Steinen aussehen.


Ein wenig weiter als der Bahnhofsvorplatz ist schon der Platz vor dem Güterbahnhof. Hier sind schon die ersten Lagerarbeiter am Werk.

Der Blick aus der Vogelperspektive lässt erahnen, dass die Dachkonstruktion eine Arbeit von Jahren war ...

Auch im Modell gibt es das Stellwerk und die Signalbrücke. Letztere wäre in der Realität heute eine Rarität bzw. längst abgebaut: Auf der Brücke sind Signale für beide Seiten befestigt. Durchrutschweg gleich Null!


Der Traum vieler Modellbahner ist ein großes BW. Die Clubmitglieder haben sich diesen verwirklicht - ganz nach dem Vorbild des Betriebswerks Berlin Görtlitzer Bahnhof,

Wiener Straße 59a ...

... und so können sie stolz ihre Fahrzeuge präsentieren, die laut Vereinssatzung §1 in den 30er-Jahren im Berliner Raum im Einsatz waren. Die Loks mit den großen Zugzielschildern sind zwei 744 - 13 (pr. T12) für den Einsatz auf der Berliner Stadtbahn. Sie erinnern sich: Es ist Sonntagmorgen, und so ist der Schuppen recht voll.


Blick von hinten ins BW. Gut zu sehen ist hier, dass viel Wert auf die Detaillierung des Innenraums gelegt wird. So wurde beispielsweise die Holzkonstruktion des Schuppendachs genau nachgebildet.


Vor dem kleinen Schuppen hinter der Bekohlungsanlage abgestellt findet sich eine 56er.


Hinter der letzten Vorortsiedlung der großen Anlage wird es ländlicher. Auch in diesem Bild macht sich der Sonntagmorgen bemerkbar: Der Bauer ist in der Kirche und das Federvieh daher wohl auch noch im Stall.


Ob der Bauer wirklich in der Kirche ist? - Frühschoppen bei Laubenpiepers.



26.07.2001

Berliner Morgenpost, Lokalanzeiger, Neukölln, Tempelhof – Schöneberg, Teltow-Fläming.


Zug um Zug Richtung Kindheitstraum



In Tempelhof baut ein Modellbahnclub den Görlitzer Bahnhof - und ein Stück Männer-Wunschwelt

Von Christine Eichelmann

Tempelhof - Fast könnten sich die Sonnenanbeter auf einem Wohnhaus am Kreuzberger Spreewaldplatz fühlen wie in Italien - die gelbe Front eines florentinischen Renaissance-Palazzo im Blick. Doch was sich da in einem Keller des Flughafens Tempelhof vermeintlich in der Sonne bräunt, sind Plastikfiguren. Und auch der Schmuckbau des Görlitzer Bahnhofs, 1866-68 erbaut und 100 Jahre später abgerissen, ist mitsamt Betriebswerk, Dampfzügen und Gleisanschluss bis einschließlich Bahnhof Baumschulenweg eine Nachbildung aus der Modellbahnwerkstatt.

Als «Original mit dichterischer Freiheit» bezeichnet Michael Tröger (Foto) den 105-Quadratmeter-Aufbau. An diesem arbeitet der «Modelleisenbahnclub des Flughafen Tempelhof» seit 19 Jahren. Tröger gehörte zu den Gründern. «Als Kind wollte ich immer eine Eisenbahn haben - und natürlich Lokführer werden.» Stattdessen wurde er Elektriker und Mitglied im neunköpfigen Team aus Flughafen-Zivilbediensteten der US-Army, die 1982 nach einer Berliner Modellvorlage suchten. Die Wahl traf den Görlitzer Bahnhof in den 30er-Jahren: damals Berlins Tor Richtung Spreewald und Schlesien, im Krieg beschädigt und später von der Reichsbahn kaum noch genutzt.

Viele Kompromisse müssen die heute 19 Aktiven entlang der 732 Gleismeter eingehen. «Wir bauen nicht nach, aber berlintypisch», sagt Mario Klewer, im Club für Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Zugeständnisse verlangen besonders Wohnhäuser und Fabriken aus käuflichen Bauteilen. Den Feinarbeiten mit Kleber und Pinsel widmen sich Fassaden-Spezialisten in der Clubwerkstatt. «Das ist Beschäftigung mit der Stadtgeschichte», beschreibt Karl Adamek den Reiz. Die Bahnanlage entstand maßstabsgetreu im Verhältnis 1:87 anhand alter Fotos und Archiv-Pläne. Die Station Baumschulenweg wurde noch vor der Wende zu Fuß abgemessen: Fotografieren war auf DDR-Bahnanlagen verboten. «Viele meinen: ,Die basteln da etwas'. Dabei ist das eine Wissenschaft», sagt Tröger. Zwei Jahre werkelten sie zu zweit allein an der Dachkonstruktion der Görlitzer Bahnsteighalle. Andere legen alle Phantasie in miniaturisierte Gartenkolonien. Senfkörner werden zu Tomaten, Kohlköpfe entpuppen sich als Pfefferkörner, Kunstbohnen ranken an Zahnstochern empor. Eine Sisyphusarbeit: «Fertig werden Modellbauer nie. Bis das Wichtigste geschafft ist, brauchen wir sicher noch mal 15 bis 20 Jahre», glaubt Klewer.

Zwischen sechs und acht bis zu 2,2 Meter lange Züge können gleichzeitig auf der Anlage fahren. Insgesamt um die 500 Wagen und Loks stifteten Clubmitglieder. Drei Schaltpulte und mehr als 18 Kilometer Kabel wurden installiert. Auf Wunsch gibt es Vorführungen: Tel.: 030 / 774 32 61 (Klewer), 03 378 / 87 42 85 (Tröger).



08.08.2001

Berliner Wochenblatt, Lokalzeitung Tempelhof


Eisenbahn im Flughafenkeller



Görlitzer Bahnhof und S-Bahnhof Baumschulenweg „en miniature“

Tempelhof. Von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt wird im Keller unter dem Flughafen Tempelhof seit rund 19 Jahren an einem Stück Berliner Eisenbahngeschichte gebastelt.

21 Modelleisenbahnfreunde haben bisher knapp 750 Meter Gleise der Spur H0 verlegt. Nach den Originalbauplänen von 1887 ist zurzeit der im Krieg schwer beschädigte und 1968 abgetragene Görlitzer Bahnhof mit Betriebswerk in Arbeit. „Zwei Jahre haben wir allein an der Dachkonstruktion aus Messing gefummelt. Wir bemühen uns den Bahnhof so zu bauen,wie er in den 30er Jahren ausgesehen hat“, berichtet Modelleisenbahnfreak Uwe Franke, Im Hauptberuf Hubschrauberschlosser. Auf der gegenüberliegenden Seite des über 300 Quadratmeter großen Kellers erkennt man den ebenfalls naturgetreu nachgebauten S-Bahnhof Baumschulenweg. Die über 100 Quadratmeter große Anlage mit unzähligen Weichen , Brücken und Zügen verschiedener Baureihen wird mit dem Zwei-Leiter-Gleichstrom_System betrieben. HDK






Stand 04.10.2009