Geschichte des Görlitzer Bahnhofs


Der Görlitzer Bahnhof wurde 1865 auf dem noch unbebautem Land vor der Stadt angelegt. Er sollte als Kolonisationspunkt und als Umschlagplatz für Rohstoffe dienen. Die Besiedlung wurde durch den Spekulanten Haberkern vorangetrieben, der einfache Mietskasernen für aus Schlesien kommende Arbeiter errichtete. Die bauliche Entwicklung des heutigen Stadtteil SO 36 war um die Jahrhundertwende bereits abgeschlossen.

Das Bahnhofsgelände wurde mit Sand erhöht, dass der Landwehrkanal und die Uferstraßen durch eine Brücke überführt werden konnten. Am 13. Juni 1866 rollten erste Militärzüge über die teilfertige Strecke. Ein regelmäßiger Personenverkehr auf der Strecke Berlin - Cottbus fand ab dem 13. September 1866 statt. Mit der Eröffnung des Abschnitts Cottbus - Görlitz am 31. Dezember 1867 nahm die private Berlin-Görlitzer Eisenbahngesellschaft (gegründet vom Generalunternehmer und „Eisenbahnkönig“ Bethel Henry Strousberg) den regulären Betrieb auf der Gesamtstrecke auf.

Das Bahnhofsareal bedeckt bei einer Länge von 1137m eine Fläche von ca. 4.4ha. Für den Personenverkehr dienen 2775m und für den Güterverkehr 16900m Gleise. Drei Schuppen für ankommende und abgehende Güter, sowie ein Getreideschuppen bedecken zusammen eine Grundfläche von 4425qm. Als weiteres befindet sich ein Lokschuppen mit 23 Ständen auf dem Gelände, dieser bedeckt eine Fläche von 2230qm.

Das große Bahnhofsgebäude wurde im Stil eines italienischen Palazzos nach Plänen von A. Orth von 1866 bis 1868 errichtet. Es ist ein heller Ziegelrohbau von hellen Birkenwerder Verblendziegeln, mit schmalen Bändern aus Tonplatten. Die Gesimse sind in Formsteinen hergestellt. Die 3.14m über Strassenniveau liegende Empfangshalle wird zur Wiener Strasse hin durch einen einstöckigen, zu beiden Seiten durch vorspringende, um zwei Geschosse höher aufgeführte Bauten abgeschlossenen Flügelbau gedeckt, während in der Mitte seiner Langfront eine Säulenhalle vortritt. Die Westseite der Empfangshalle wird durch einen Kopfbau abgeschlossen, der in seiner Hauptfront einen, die übrigen Gebäudeteile noch um ein Stockwerk überragenden Mittelbau mit einer durch zwei Geschosse hindurch reichenden Unterfahrthalle und zwei Eckbauten zeigt.

Die Empfangshalle enthält zwischen zwei Seitenbahnsteigen und einem Mittelbahnsteig vier Gleise, die am Kopf der Halle durch Prellböcke abgeschlossen sind und in einem Vorhof enden.

Ursprünglich besaß der Bahnhof fünf Gleise ohne Mittelbahnsteig, die in zwei ca. 12m Drehscheiben endeten. Als die Lokomotiven jedoch zu groß wurden, änderte man den Gleisverlauf zugunsten einer Weichenkombination mit Mittelbahnsteig.

Die Seitenbahnsteige haben bei einer Breite von je 7.50m eine Länge von 200 bzw. 280m, während der Mittelbahnsteig eine Länge von 245m und eine durchschnittliche Breite von 37m aufweist. Die Länge der Bahnhofshalle beträgt 148m bei einer Breite von 37m.

Ihre Überdachung ist auf hölzernen Pfetten hergestellt, die mit Wellenzink ohne Schalung eingedeckt sind. Die Pfetten werden durch 42 Binder getragen, welche in 3.44m Abstand voneinander verlegt und als sichelförmige Eisenträger ausgebildet sind.

Die Beleuchtung der Empfangshalle erfolgt teils durch von der Seite der Halle einfallenden Seitenlichts, teils durch ein durchlaufendes Oberlicht im Dach von 7.50m Breite. Die eiserne Hallenkonstruktion stammt von der Wöhlert´schen Maschinenfabrik zu Berlin.

Im Jahre 1871 bekam der Görlitzer Bahnhof einen eingleisigen Anschluss an die neu eröffnete "Neue Verbindungsbahn" aus Richtung Rixdorf bzw. Güterbahnhof Treptow. Dieser Anschluss führte später die Bezeichnung .Innerer Ringbahnanschluss. der Görlitzer Bahn.

Am 28.03.1882 wird die Berlin-Görlitzer-Eisenbahn verstaatlicht.

Mit der Eröffnung einer ersten äußeren Verbindungskurve zur Ringbahn in Richtung Treptow wurde am 1. Oktober 1885 der Görlitzer Bahnhof auch an die Stadtbahn angeschlossen. Durch diesen Anschluss wurden günstige Zugverbindungen zwischen der Innenstadt und den Vororten möglich.

1902 wird mit den Bauarbeiten zur großangelegten Erweiterung der Bahnanlagen vom Ringbahnanschluß (Treptow) bis in Höhe Adlershof-Altglienicke begonnen (Streckenhochlegung und Aufbau separater Vorortgleise), da sich der Vor-Ort-Verkehr seit 1886 auf der Strecke verfünffacht hat. Nach dem Sonntagsfahrplan nach dem 1. Mai 1904 fahren täglich 412 Vorortzüge (davon 244 von der Stadtbahn), 16 Fern- und 76 Güterzüge (ca. 504 Züge) auf diesem Streckenabschnitt. Im Jahre 1905 werden die neuen hochgelegten Gleise in Betrieb genommen.

Im Zweiten Weltkrieg wurde der Bahnhof nicht zerstört sondern nur sehr stark beschädigt, u.a. wurden die Drehscheibe im BW und das Hauptgleis getroffen. Das Bahnhofsgebäude erhielt mehrere Treffer mit Brandbomben.

Bereits im Juni 1945 verkehrten die ersten Vorortzüge wieder, und ab Juli 1945 konnten auch wieder einzelne Fernzüge im Görlitzer Bahnhof abgefertigt werden. Am 25. September 1946 verlegte die Reichsbahn alle Fernzüge der Görlitzer Bahn auf die Stadtbahn.

Am 29. April 1952 wurden dann im Görlitzer Bahnhof endgültig die letzten Vorortzüge abgefertigt, da von nun an die elektrische S-Bahn auch bis Königs Wusterhausen fuhr. Der Bahnhof wurde stillgelegt.

1959 wurden die Überreste des ehem. Lokschuppens abgerissen und das BW eingeebnet .

1962 wurde mit dem Abriss des Bahnhofs begonnen. Dabei wurde die Bahnsteighalle des Görlitzer Bahnhofs zuerst abgerissen, 1967 folgten der Querbahnsteig und der größte Teil des Empfangsgebäudes. Mit dem Abriss des Nordflügels und des Empfangsgebäudes waren Ende der 70er Jahre die letzten Hochbauten des Personenbahnhofs beseitigt.

 Ab den 50iger Jahren wurde das Gelände von der Reichsbahn als Baustoff- und Kohlelager vermietet. Außerdem siedelten sich Schrotthändler, Autowerkstätten und andere Kleinunternehmen an. Bis 1986 rollten immer noch Güterzüge über die Gleise die unter Reichsbahnverwaltung standen. Dabei nutzten sie den „Grenzübergang“ am Görlitzer Ufer, auf der Brücke über den Landwehrkanal.

 Heute ist von der ehemaligen Anlage nur noch ein Güterschuppen und vereinzelte Mauerreste übrig geblieben.

Am ehemaligen Spreewaldplatz ist heute ein Schwimmbad. Vom Spreewaldplatz selbst, ist heute kaum noch etwas zu sehen. Das Bahnhofsgelände ist zu einem Park umgewandelt worden und dient als Naherholungsgebiet.




Stand 20.10.2004